Diesen Sommer habe ich 2 Teilnehmer über den Hintergrat auf den Ortler geführt. Einer der Teilnehmer – Roland – wohnt in Luzern, was nicht wirklich weit weg liegt von Götzis und so haben wir uns zusammentelefoniert um den heutigen Tag ausgiebig zu nutzen. Spätnachmittags zuvor haben wir uns in Feldkirch getroffen und sind gemeinsam in die Silvretta gedüst. Um 1830 erreichen wir den hinteren Parkplatz auf der Bielerhöhe, packen uns rasch zusammen und wandern im Laufschritt Richtung Wiesbadnerhütte, die wir nach 1:15 erreichen. Die Hütte hat dieses Wochenende zum letzten Mal offen, ist mittelmässig gut besucht und die Bewirtung wie immer überschwänglich freundlich und zuvorkommend. Ich kenne keinen anderen Menschen, der auf einer Hütte arbeitet und IMMER lacht und freundlichen ist so wie die eine junge Osteuropäerin, die auf der Hütte wirtschaftet und die Bude samt Gästen voll im Griff hat. Total lustig irgendwie… 

Am nächsten Morgen gibt’s ein frühes Thermofrühstück um 05:00 und wir starten eine halbe Stunde später im Schein unserer Stirnlampen Richtung Dreiländerspitze. Die Wegfindung ist anfangs nicht ganz einfach, denn es kreuzen dort x Wege und massenhaft Steinmännchen unseren Weg. Rasch gelangen wir zum Glescher, wo wir anseilen und die Eisen anlegen. Wir spuren der Spitze entgegen und stoßen unterhalb des letzten Firnhangs auf eine Spur, der wir zum Felsen folgen. Steigeisen runter, Knoten aus den Seilen und am kurzen Seil über den leicht vereisten Felsen aufwärts. Wir kommen rasch voran – bis zu einer tricky Stelle unterhalb des Gipfels, wo es über glatte geneigte Platten 5m rauf geht. Kurz danach stehen wir am Vorgipfel und erreichen mühelos den Hauptgipfel, den wir für uns alleine haben. Bis hier rauf waren wir keine 2.5 Std. unterwegs – schneller als gedacht.

Nach kurzer Rast geht’s über die Aufstiegsroute wieder hinunter bis zum Firnfeld, über das wir links haltend runter rutschen bis zum Beginn des Gletschers. Wir seilen an, halten uns immer links, umgehen einen massiven Felsgrat, weiter über den Gletscher, gehen 200m unterhalb der Zollwachhütte vorbei und rücken unserem nächsten Wegpunkt – dem Wiesbadner Grätle – immer näher. Unterhalb des Einstiegs rasten wir erneut in der Sonne und richten uns für die Wand. Die Randklupft ist überhaupt kein Problem, wir haben eine Spur und weit über uns sehen wir eine 3er Seilschaft – d.h. wenn wir’s nicht komplett verhauen werden wir den Übergang ebenfalls packen. Fixseile erleichtern den Einstieg bis zum 1. Stand, nachdem ich letztes Jahr mit meiner Gruppe umkehren musste. Heuer hängt hier ebenfalls ein Fixseil, das diesen Part wesentlich erleichtert. Mühelos packen wir diese Stelle und gehen am laufenden Seil weiter. Später werden die Sicherungen (Bolts) weniger, irgendwann sind sie komplett weg, aber die Spur noch da. Hier herrscht absolutes Absturzgelände, 100% wohl ist uns nicht, aber da müssen wir jetzt durch. Unterhalb des Übergangs treffen wir wieder auf Bolts – ich gehe davon aus, dass unsere Spur nicht der Originalroute gefolgt ist – aber ist ja alles gut gegangen :-)

Auf der anderen Seite des Übergangs steigen wir 15m ab und betreten wieder vergletschertes Gelände. Wir halten uns wieder sehr weit links, finden eine Spur und folgen dieser rund um den Felsblock zum Joch unterhalb des Buins. Dieser „Abschneider“ hat uns einiges gespart im Vergleich zur eigentlich Aufstiegsroute. Richtung Buin sind deutlich mehr Seilschaften unterwegs als auf die Dreiländerspitze, was aber nichts macht, denn wir starten vom Joch und kommen schnell zum Beginn der Kletterstellen, wo uns 2 kleine Seilschaften entgegen kommen. Ohne Sichern packen wir den Felsteil recht gut und kommen auf das Schuttfeld unterhalb des Gipfelkreuzes, wo uns nochmal eine 4er Seilschaft entgegen kommen. Kurz später erreichen wir den Gipfel und haben diesen für eine gute halbe Stunde für uns alleine, bevor wir uns an den Abstieg machen.

Dieser verläuft ebenfalls problemlos – im untersten Teil treffen wir auf die uns schon bekannte 4er Seilschaft, die wir rasch überholen. Am Joch wird wieder angeseilt und wir folgen dem gut gespurten Normalweg über den spaltenreichen Gletscher. Theoretisch würde irgendwo auch eine gerade Diretissima-Spur durchgehen, aber die die am Ende durch die Brüche kommt ist mir schleierhaft. Roland bricht ein paar Mal etwas ein, aber im Großen und Ganzen klappt alles gut. Kurz vor Gletscherende wird’s nochmal steiler und blanker – hier sind Steigeisen absolut zu empfehlen. Ich ging’s ohne, was keine gute Idee war, aber das muss auch hin und wieder trainiert werden (in sicherem Gelände).

Nach Ende des Gletschers geht’s über den gut markierten Steig zurück zur sonnigen Wiesbadnerhütte, wo wir uns eine Kaspressknödljause gönnen bevor’s zurück zum Auto und weiter heim geht.

Fazit: Toller Herbst-Tourentag mit anspruchsvollem konditionsfordernden Programm. Zwar „nur“ 1400hm, aber mit Schnee, Kletterpassagen und v.a. dem Grätle sowie dem langen Abstieg zäh. Dafür die beiden höchsten Berge Vorarlbergs zum Preis von einem :-)

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