Durchs Höllental auf die Zugspitze & via Jubi auf die Alpspitze

Prolog

Der Jubiläumgrat (kurz „Jubi“) ist ein absoluter Klassiker, den jede/r BergsteigerIn einmal im Leben gemacht haben sollte. GenießerInnen machen’s wie wir: Gemütliche An- und Abreise, Wanderung durchs wildromantische Höllental und Übernachtungen auf der Höllentalanger- sowie der „Jubiläumsgrathütte“. 

Allgemeines

Der Wetterstein ist eine markante Gebirgsgruppe an der deutsch-österreichischen Grenze. Der höchste Berg – die Zugspitze – ist zugleich der höchste Berg Deutschlands. Weniger sportliche Menschen bringt die Zugspitzbahn direkt aufs mächtige, unschön verbaute Gipfelplateau, von dem aus es im wahrsten Sinne des Worts nur noch ein Steinwurf zum markanten, goldenen Kreuz ist. Aufgrund ihrer Bekanntheit und komfortablen Erreichbarkeit ist „der weltweit höchstgelegene Biergarten der Welt“ an schönen Tagen hochfrequentiert. Ein asynchroner Besuch (früh, spät, Wochentags) empfiehlt sich daher in jedem Fall. 

Vom höchsten Punkt aus ist der lange Jubiläumsgrat gut ersichtlich und in weiter Entfernung lässt sich bereits das Zielt – die Alpspitze – ausmachen. Bis dahin ist es jedoch ein langer, absolut lohnender Weg. Abkürzen lässt sich das ganze Unternehmen natürlich auch, wenn man die erste Seilbahn in der Früh vom Eibsee hoch auf die Zugspitze nimmt. Oder man legt die ersten beiden Etappen zusammen (früher Start). 

Achja: Grundsätzlich kann der Grat in beide Richtungen begangen werden. Vorteil Zugspitze-Alspitze ist jedoch, dass man eher absteigt und der forderndere Teil frisch ausgeruht am letzten Tag gemacht werden kann. Von sehr konditionsstarken BergsteigerInnen wird die gesamte Runde auch an einem Tag gemacht – da weiß man dann allerdings auch, was man gemacht hat ;-)

Anreise & Logistik

Viele Wege führen in den Wetterstein – sowohl öffentlich (mit der Bahn) wie auch mit dem Auto. Zu beachten sind mögliche Staus am Fernpass bei der Anreise mit dem Auto. Das kann am falschen Tag zur falschen Zeit zu einer längeren Verzögerung führen, die sich nicht wirklich umgehen lässt. Geparkt wird dann entweder am gebührenpflichtigen Wanderparkplatz Hammersbach oder gratis bei der Talstation der Zugspitzbahn. Eine kostengünstige Möglichkeit ist, das Auto bei der Talstation zu parken und mit Bahn/Bus nach Hammersbach zu fahren, zu Fuß zu laufen, oder mit dem Bike zu fahren.

1. Tag Zustieg Höllentalangerhütte

Nach der individuellen Anreise steht der kurzweilige Hüttenzustieg zur Höllentalangerhütte bevor. Es bieten sich zwei Möglichkeiten: Entweder direkt durch die Klamm (feucht, Eintritt einige Euros) oder über den Stangensteig (trocken, kein Eintritt, mehr Höhenmeter, 30min länger). Wir empfehlen jedenfalls den Durchstieg durch die wildromantische, canyonartige Klamm. Eine Regenjacke kann gute Dienste leisten.

Achtung: wenn Kinder nahe am Geländer gehen – es passiert schnell, dass sie am feuchten Boden ausrutschen und unter dem Geländer in das reißende Wasser rutschen! Sowas hätten wir fast live erlebt :-(

Am Ende der Schlucht weitet sich das Tal und man erreicht in einer runden Viertelstunde die neu gebaute, schön gelegene Hütte. Die Ausstattung ist top, das Wirtspersonal freundlich und hilfsbereit und das Essen schmeckt vorzüglich. Entspannt lassen wir einen angenehmen, ersten Tag auf der Terrasse bei einem kühlen Radler Revue passieren.

2. Tag: Höllental Klettersteig – Zugspitze – Jubiläumsgrat 1. Teil

Die Nacht war ruhig, das Frühstück ermunternd und gut gelaunt starten wir in den zweiten Tourentag. Anfangs geht’s locker flockig über einen Wanderweg zum sogenannten „Brett“ – einer hohen, steilen Felsstufe, die mit Trittstiften und Stahlseil deutlich entschärft wurde. Danach über eine Moräne hoch zu den Überresten des Höllentalferners. Je nach Bedingungen ist dieser einfach bis schwierig – in unserem Fall bleiben Steigeisen und Seil im Rucksack. Die nächste Schlüsselstelle ist die Überschreitung der Randkluft, was früh in der Saison ebenfalls meist problemlos funktioniert. Hier legen wir die Klettersteigsets an und steigen in den Höllental Klettersteig ein. Dieser bewegt sich kontinuierlich im Bereich B/C – ein gutes Topo findet sich hier. Die Seilversicherungen sind gut und somit eignet sich der Steig auch für wenig erfahrene Personen. Der Klettersteig endet wenige Meter unterhalb des Gipfels.

Klar im Vorteil ist, wer früh und wochentags auf der Route unterwegs ist – dann stehen die Chancen gut, zügig voran zu kommen. Dann kann noch in Ruhe einen Abstecher zur Bergstation machen. Es zahlt sich auf, Wasser aufzufüllen, sich ggf. mit Bratwurst zu stärken und zu guter Letzt der komfortablen Toilette einen Besuch abzustatten.

Nach getaner Tat geht’s zurück zum Gipfel und weitere 50HM über ein ausgetretenen Steigleins hinunter zu einer weiß-schwarzen Hinweistafel. Hier beginnt der eigentliche Jubiläumsgrat, der das Ende der Touristenmassen markiert. Ein gutes Topo zum Grat findet sich ebenfalls hier. Relativ nahe am Anfang findet sich die laut Topo schwierigste Stelle (eine 3-), die alternativ leichter umgangen werden kann. Der Weiterweg verläuft relativ homogen in stetem Hinauf-Hinunter immer entlang des Grats. Seilversicherte Stellen finden sich kaum, dafür einige Sicherungshaken. Bei trockenen Bedingungen und sicheren BergsteigerInnen lässt sich auf das Seil verzichten – unsichere GeherInnen sollten das ein- oder andere Mal durchaus zum Seil greifen. Trittsicherheit ist jedenfalls erforderlich und ein Ausrutscher sollte tunlichst vermieden werden.

Nach einigen Stunden kurzweiliger Kletterei bzw. Gehgelände erreichen wir die von weitem sichtbare, knallrote Jubiläumsgrathütte. Danke an den Sponsor Hanwag und den DAV München für diese First-class-Suite auf gut 2.600m Seehöhe. Der Ausblick ist grandios, nur Essen und Kochutensilien hat man hoffentlich selber mitgebracht.

3. Tag: Jubiläumsgrat 2. Teil – Alpspitz Ferrata – Osterfelderkopf

Es hätte eigentlich eine ruhige Nacht werden sollen. Alles hatte abends darauf hin gedeutet. Bis dann um 22 Uhr die Tür auf ging und einige Gestalten, angeseilt, mit Stirnlampen und Regengarnitur ausgestattet, unseren schönen Biwak betraten. Surpriiiiiiiiiiise! Die waren natürlich so durch, dass sie auch gleich mal zu kochen anfingen. Das war’s vorerst mit schlafen. Aber immer noch besser, als mit unseren Gästen zu tauschen…

Die zweite Überraschung war dann, dass es nicht nur in der Nacht geregnet hatte, sondern das Ganze auch am Vormittag anhielt. Lt. Wetterbericht hätte auch „aussitzen“ nichts gebracht, also auf in die Hardshells (im übrigen mein neuer Liebling – die GUIDE von Direct Alpine) und los geht’s.

Die Etappe vom Hüttl zur Alpspitze ist technisch anspruchsvoller, dafür auch wesentlich besser versichert. Mehrere imposante Türme wollen überklettert werden und wir sind dankbar für das vorhandene Stahlseil.

Am letzten Gipfel bessert sich dann das Wetter und das Wasser kommt nur noch von unten – nicht mehr von oben. Immerhin…

Der Abstieg über die Alpspitz-Ferrate klappt wie im Flug – danke der unzähligen Trittstifte. Wir verlieren rasch an Höhe und nähern uns dem Tagesziel – der Bergstation der Osterfeld-Bergbahn. Ursprünglich wäre noch der schwierige Mauerläufer-Sportklettersteig auf dem Plan gestanden, aber in der nassen Nordwand herum zu turnen – noch dazu mit nasser Kleidung und Schuhen – auf das haben wir heute so gar keine Lust.

Gemütlich schweben wir mit der Seilbahn ins Tal, zurück zum Auto, gönnen uns noch eine gemeinsame Pause und treten die staufreie Heimreise an.

Lieber Jubi: Es war uns eine Freude!

Fazit

Die beschriebene Tour ist natürlich auch deutlich schneller möglich – aber wozu…?

Der Zustieg durch das Höllental ist landschaftlich toll, der Aufstieg auf den an sich überlaufenen Gipfel der Zugspitze abwechslungsreich, und am Jubiläumsgrat selber geht es im Vergleich deutlich ruhiger zu. Technisch ist die Route nie wirklich schwierig, aber man sollte stets bedacht unterwegs sein. Insgesamt eine Empfehlung, die in keinem Tourenbuch fehlen sollte!

Eckdaten

Region:   Wetterstein, Deutschland
Unterkünfte:   Höllentalangerhütte (DAV), 1.387m
Jubiläumsgrathütte (DAV), 2.684m
Höchster Punkt:   Zugspitze, 2.962m
Berge:   Zugspitze, Alpspitze, Vollkarspitgze und innere/mittlere/äußere Höllentalspitzen
Beste Zeit:   Sommer oder ggf. Frühjahr

 

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