Prolog

Mein letzter Besuch der Fornohütte liegt schon viel zu lange zurück und so wurde es höchste Zeit für einen neuerlichen Besuch dieses genial gelegenen Rifugio im Bergell. Von Vorarlberg geht’s via Julierpass (aktuell top Bedingungen!) und Silvaplana nach Maloja, wo kurz nach dem Ortsende auf der linken Seite ein schmaler Weg zum Parkplatz beim Stausee führt.

Zustieg Fornohütte

Angegeben mit vier Stunden gestaltet sich der Zustieg im Sommer wie Winter verhältnismäßig kurzweilig: Auf der Loipe um den kleinen Stausee, etwas steiler hoch durch den Wald, flach zum Kraftwerk und ab dort in gleichmäßiger Neigung bis unterhalb der Hütte. Dort nochmal stärken und ca. 150hm hoch zur Hütte, wo uns bereits die unscheinbar herunterhängende Europa-Flagge (ja, „EUROPA-Fahne“ – nicht Schweiz…) begrüßt.

Monto del Forno (Versuch)

Nachmittags ziehen wir noch zum Hüttenberg – dem Monto del Forno – hoch. Problemlos erreichen wir in der unbarmherzigen Frühjahrssonne den Übergang und gelangen zum kettenversicherten Steilstück. Nach einer kurzen Diagonalen und 20hm ist Schluss für uns, denn wir sehen 3.) keine Kette mehr, haben 2.) keine Lust auf Steigeisen/Pickel im wenig vorhandenen Sulz und wollen 3.) nicht zu spät zum Apero auf der Hütte kommen 🙂 Das viergängige Abendessen schmeckt vorzüglich und wir verschwenden keine Sekunde an den Gedanken, dass uns nur noch 15 Minuten vom Gipfel getrennt hätten. Außerdem hat die 500hm Pulverabfahrt mehr als entschädigt 🙂

Samstag: Lange Runde via Albigna Stausee

Der heutige Tag hat es echt in sich: Frühstück um 05:30 Uhr, Abmarsch um Viertel nach Sechs, 2.000+ HM selber Spuren auf gut 20 km Distanz. Aber alles der Reihe nach: Wir fahren auf den Gletscher ab, fellen auf und machen uns an den langen, zähen Marsch zum Talende, wo der Gletscher dann steiler wird. Das Seil wird ausgepackt und wir spuren relativ mittig ca 80hm hoch bis es wieder flacher wird. Dafür erwartet uns hier eine dezente Spaltenzone, die wir gut passieren können. Danach beginnt eine steile (ca 35°) Flanke, die wir seilfrei bewältigen. Eine halbe Stunde später wird das Gelände wieder flacher und weiter. Wir halten uns sehr weit rechts und können die wenigen, gut sichtbaren Spalten gut umgehen. Die Route ist bis zum Joch aktuell auch gut in der Abfahrt möglich!

Paso dal Cantun

Unterhalb des Passes wartet die Crux des Tages auf uns: Eine Steilstufe, die bei normalen Schneeverhältnissen problemlos stapfend machbar ist – aktuell aufgrund des wenigen Schnees allerdings etwas tricky ist. Hilft alles nix, Augen zu & durch – nach 10m ist sowieso alles vorbei 😉 Wenige Minuten später erreichen wir den breiten Paso dal Cantun und erhaschen erste Blicke auf die bevorstehende Abfahrt. Zu unserer Überraschung entdecken wir einige Abfahrtsspuren – jedoch keine Aufstiegsspur. Dasselbe hatten wir heute früh bereits gesehen. Offenbar waren hier Leute mit dem Heli unterwegs, was offiziell nicht gestattet ist. Wir vermuten, es handelt sich um Werbeaufnahmen oder ähnliches…

Abfahrt zum See und zurück zum Ausgangspunkt

Mei, was soll ich sagen – wir sind zur perfekten Zeit am perfekten Ort und erwischen ebensolche Verhältnisse für die Abfahrt. Übermütig ziehen wir unser Schwünge durch die jungfräulichen Hänge – besser kann das Leben nicht sein! Am Ende der perfekten Abfahrt erreichen wir den Albigna-Stausee, wo wir erneut auffellen und zur Albigna Hütte aufsteigen. Immer höher erreichen wir bald einen Kessel, an dessen oberem Ende der Pass da Casnil Nord auf uns wartet. Nun haben wir es fast geschafft und 90% der Aufstiegshöhenmeter hinter uns. Für die Arbeit werden wir erneut mit einer genialen Abfahrt hinunter zum Forno Gletscher belohnt. Nur noch ein letztes Mal den Gegenanstieg zur Fornohütte und wir erreichen müde die Sonnenterrasse.

Sonntag: Finale Rundtour und Talabfahrt

Erneut fahren wir zum Forno Gletscher ab, fellen auf und folgen der vorhandenen Spur zum Paso di Val Bona. Die Abfahrt auf der Nordostseite gestaltet sich leider weniger toll als an den Tagen zu vor und wir landen in den Wolken. Der Gegenanstieg zur Sella del Forno verläuft problemlos. Wir fahren auf der Westseite in Richtung Fornohütte ab, fellen wieder auf und steigen wie am ersten Tag in die Scharte unterhalb des Monte Del Forno. Nun geht’s direkt unterhalb der Felswände vorbei am Paso Del Rossi mehr oder weniger entlang des Sommerwegs. Die Schneeverhältnisse sind ok und der Schneedeckenaufbau passabel. 2x sind heikle Trichter zu queren bis man via der finalen Abfahrt ins Val Muretto zum Kraftwerk Plan Canin gelangt. Ab hier etwas schieben und über die Aufstiegsroute vom Freitag retour zum Auto.

Fazit

Geniales Wochenende, perfekte Tourenverhältnisse und super Routen. Die Fornohütte ist ein idealer Stützpunkt, die Bewirtung ausgezeichnet und die Aussicht von der Terrasse auf die umliegende Bergwelt lässt keine Wünsche offen.

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2 Comments

  1. Eva 15. März 2016 at 20:52 - Reply

    *Buhuhuuuhhuuuuuheulschluchz* ich wein‘ immer noch den Stubaiern nach, und mein kurzerhand ins Auge gefasste Entschädigungs-Programm (Spaghetti-Runde) ist natürlich schon ausgebucht…… *buhhuhhhuhhhhschluchzallesistgegenmichundichbinsoarm* 😢

    WOW!

    LG
    Eva

    • Mario Kempf 16. März 2016 at 10:53 - Reply

      Arme Eva… :-/
      Naja, wir starten dann hochalpin durch 🙂 Schnee hat’s genug!
      Spaghetti ist gut, aber wir werden dann eh in der Gegend sein…

      LG Mario

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