Ausrüstung für Skitouren: #4 – Accessoires

Prolog

Ausrüstunglisten für Ausflüge im Schnee gibt es viele.
Wir geben euch einen Einblick in unsere persönlichen Equipment-Erfahrungen. Vielleicht erleichtern wir euch damit die ein oder andere Kaufentscheidung…

Ausrüstung für Skitouren: #4 – Accessoires

Auf den ersten Blick scheinen manche dieser Gegenstände nicht unbedingt wichtig, aber täuscht euch nicht! Manches davon sollte zu den „Essentials“ jedes Skitourenrucksacks gehören und kann euch wertvolle Dienste leisten!

Sonnenbrille

Insbesondere im Winter am Berg unverzichtbar! Sonnenbrillen sind nicht bloß ein modisches Accessoire, sondern schützen euer Augenlicht – und das sollte euch etwas wert sein! Auf was kommt es an: 1.) Hochwertige Gläser, 2.) Passform. Alles andere ist Nebensache.

Hochwertige Gläser bedeutet: Markenhersteller, Mindestens Kategorie 3, eher 4 (am Gletscher sowieso nur Kategorie 4!). Möglich sind auch selbsttönende (z.B. Stufe 2-4). Dann könnt ihr sie auch gut bei diffusen Lichtverhältnissen oder zu späterer Stunde nutzen. Die Gläser sollten angenehm groß und gewölbt sein. Hilfreich sind auch Wechselgläser für unterschiedliche Lichtverhältnisse. KEINESFALLS verwenden dürft ihr 20-Dollar-Oakley-Brillen aus Thailand, oder ähnliches. Diese sind zwar ebenfalls dunkel – schützen die Augen allerdings nicht vor den schädlichen Strahlen!

Zur Passform ist zu sagen, dass die Brille zu eurer Kopfform passen sollte. Idealerweise bleibt sie auch auf einer schweißigen Nase an der korrekten Position und die Bügel drücken sie mit angenehmem Druck auf die Kopfseite. Bügel von Gloryfy Brillen verbiegen sich nach einiger Zeit nach unserer Erfahrung und rutschen von den Ohren. Die Brille sollte so sitzen, dass weder von oben, unten noch seitlich viel Licht zwischen Gläser und Augen scheint. Manche Hersteller bieten zusätzlich Schaumstoffeinsätze.

Eine durchaus sinnvolle Erweiterung sind Nasen-„Clips“, die v.a. im Frühjahr die Nase wirksam schützen.

Menschen mit Sehschwäche haben mehrere Möglichkeiten: 1.) optische Verglasung, 2.) Kontaktlinsen, 3.) Optische Brillenclips. Ersteres ist mir zu teuer, zweiteres hatte ich lange in Verwendung, letzteres finde ich am Besten. Bzw. eine Kombination aus 2+3 (Kontaktlisen als Ersatz im Rucksack). Linsen haben den Vorteil, dass jede Brille darüber getragen werden kann. Dafür gibt es bei Mehrtagestouren oft hygienische Probleme und mögliche Komplikationen in der Höhe. Clips können in dafür vorgesehenen Brillen genutzt werden und tragen sich angenehm.

Für mich existiert genau ein Hersteller, der meine Wünsche erfüllt – Adidas. Die Terrex Fast bietet Wechselgläser (Kat. 2, 3, 4, 2-4 Vario, etc.), Nasenschutz, Schaumstoffeinsatz, passt gut zu meiner Kopfform, trägt sich angenehm und nimmt einen Brillenclip auf. Wermutstropfen: Mit der Skibrille funktioniert der Clip natürlich nicht. Ärgerlich ist, dass mir dieser unlängst gebrochen und in der Neuanfertigung recht kostspielig ist (wobei: nichts im Vergleich zu optischen Sonnengläsern).

Sofern ihr im Normalleben eine Brille tragt empfehle ich euch, diese als Backup im Rucksack mitzunehmen – insbesondere bei längeren Touren.

Achja: Zum Transport eignet sich ein Softcase oder leichtes Hardcase. Zusätzlich fürs schonende Putzen ein Mikrofasertuch oder ähnliches.

Ich verwende und empfehle [Adidas Terrex Fast mit Wechselgläsern und optischem Brillenclip]

Skibrille

Nice to have und bei starkem Wind/Schneefall angenehm. Nachdem ich von Kontaktlinsen auf Brillenclips umgestiegen bin trage ich seit einigen Jahren keine Skibrille mehr.

Ich verwende und empfehle [keine]

Rucksack

Eine unheimlich persönliche und touren-abhängige Entscheidung. Tendenziell: gute Passform (passende Rückenlänge, männliche/weibliche Modelle), angenehmes Tragesystem inkl. Stabilem Hüftgurt, lieber etwas zu groß als zu klein (aber nicht zu groß, denn je größer, desto mehr nehmt ihr mit), 20L (Tagestour) bis 40L (Mehrtagestour), wasserabweisend.

Nice to have: Helmhalterung, Seilhalterung, Pickelhalterung, RV-Zugang seitlich/vorne, schneller Zugriff zu Schaufel/Sonde, wasserdichtes Innenfach (Wertsachen), Pfeife am Brustgurt, stabile Hüftschnalle, Befestigungsmöglichkeiten (für Karabiner, Digicam, etc.) am Hüftgurt, Ausgang für Trinkschlauch.

Das Material sollte abriebfest und an beanspruchten Stellen verstärkt sein. Bei Leichtrucksäcken wird am ehesten beim Material und beim Tragesystem gespart. Für entsprechenden Tragekomfort nehme ich persönlich gerne etwas Mehrgewicht in Kauf. Am zufriedensten bin ich auf Mehrtagestouren mit der Marke Osprey und hier vor allem mit dem 40er Variant. Für kürzere Ausflüge mit weniger Gewicht ist mir der Rucksack relativ egal. Osprey bietet zahlreiche Rucksackmodelle als Damen-/Herrenvarianten sowie mit unterschiedlichen Rückenlängen. Auch der Reparaturservice und die 25-Jahre-Garantie (mehrfach „getestet“ sind unschlagbar!

Ich verwende und empfehle [Rucksäcke aller Art von Osprey]

Skifix

Skifix ist ein praktisches Accessoire und im Wesentlichen ein ca. 30cm langer Kunststoffgurt mit Schnalle. Im Winter erfüllt der Skifix primär zwei Funktionen: 1) Ski in A-Position am Rucksack befestigen, 2) Notfallbehelf (defekte Bindung, rutschende Felle, kaputte Schuhschnalle, …). Kostet wenige Euros, wiegt nichts und sollte immer im Rucksack dabei sein.

Ich verwende und empfehle [egal, Hauptsache im Rucksack dabei]

Reepschnur

Reepschnüre sind universal einsetzbar und führe ich immer mit. 5mm Durchmesser, 5m Länge, Material ist für diesen Zweg egal. Damit lässt sich ggf. ein Rucksack abseilen, eine Personentrage basteln und vieles mehr.

Ich verwende und empfehle [5mm @5m, Hersteller egal]

Skiwachs hart

Ähnlich dem Skifix kostet und wiegt dieses Teil nichts. Ihr könnt damit: Schnee vom Belag kratzen, Felle vorm Stollen schützen und für einige Abfahrtsmeter mehr Power aus euren Latten holen. Übrigens: weiches Wachs (Tube) nehme ich nie mit, denn irgendwie kommt man immer runter…

Ich verwende und empfehle [Contour]

Digicam inkl. Tasche

Klar möchten schöne Momente festgehalten werden. Eine richtige Empfehlung gibt es hier nicht – abgesehen davon, dass die Kamera zu euch passen sollte. Für den einen ist das das Smartphone, für den anderen die Spiegelreflexkamera. Dazu ist zu sagen: Auch mit Smartphones und Kompaktkameras lassen sich tolle Fotos machen und besser eine Kamera, die nur 90% perfekte Fotos macht, als eine, die 100% tolle Fotos macht, dafür so schwer, unhandlich oder teuer ist, dass ihr sie nicht aus dem Rucksack holt.

Wichtiger als die Kamera ist aus meiner Sicht die Nachbearbeitung. Daher fotografiere ich ausschließlich im RAW-Format und entwickle jedes (!) Foto separat am Computer. Weißabgleich, Helligkeit, Kontraste, Bildausschnitt, etc. Das bedeutet zwar einen hohen Arbeitsaufwand – aber lieber weniger Bilder, dafür aussagekräftige!

Kompaktkameras haben den Vorteil, dass sie in einer kleinen Tasche z.B. am Rucksackgurt gut mitgeführt werden können. Zusätzlich verwende ich eine Art ausziehbaren Schlüsselanhänger, der sie vor Verlust schützt.

Ich verwende und empfehle [noch Sony RX100-Mark1 in Hardcase mit ausziehbarem Schlüsselanhänger]. Werde jedoch im Lauf der nächsten Monate auf ein spiegelloses micro-43-System umsteigen.

Funkgerät

Wie jetzt, Funkgerät am Berg?! Fehlende Kommunikation ist eine häufige Ursache für Unfälle und zudem extrem unangenehm. Beim anspruchsvollen Skifahren ist Funk insbesondere bei uneinsehbaren Stellen eine feine Sache. Zudem erleichtert Funk die Kommunikation in Gebieten ohne Handyempfang (oder wo telefonieren schlichtweg teuer ist). Beispielsweise, wenn nicht alle Gruppenmitglieder auf den Gipfel möchten oder zu einer Kurztour nach der Hüttenpause starten. Der Funk verschafft Flexibilität und zusätzliche Sicherheitsreserven.

Wasserdichte Geräte sind klar im Vorteil, die restlichen Features in der Preisklasse um 80,– je 2er Set Standard (Kanalwahl, Tastensperre, etc.). Eine handliche Lautsprecher-/Mikrofonkombi macht beim Variantenfahren Sinn – beim klassischen Tourengehen haben wir es noch nicht vermisst. Achtung auf den Ladestand der Batterien/Akkus!

Ich verwende und empfehle [Motorola TLKR T80 Extreme]

Sonnencreme / Lippenbalsam / Kälteschutzcreme

Sonnencreme LSF 10-60 je nach Hauttyp, Jahreszeit, Witterung und Höhe. Ich nutze im Winter meist einen günstigen 16er, im Frühjahr einen 30er. Zusätzlich bei starken Sonnentagen einen Lippenbalsam. Wenn es andererseits wirklich kalt ist, weiß ich eine Kälteschutzcreme von Weleda sehr zu schätzen. Seit ich diese verwende hat sich die Frage nach der Skimaske für mich erledigt.

Ich verwende und empfehle [no-name Sonnencreme, no-name Labello, Weleda Kälteschutzcreme]

Multifunktionsuhr (GPS-Tracking, HR, Höhe, …)

Seit einem gesundheitlichen Zwischenfall bin ich beim Sport immer mit HR-Uhr (Herzfrequenz-Rate) unterwegs. Weniger zu Trainingszwecken, sondern weil ich bewusst unter einem bestimmten Limit bleiben möchte. Mittlerweile schätze ich die Funktion zur Höhenmesser (idealerweise barometrisch) und das GPS-Tracking. Damit können 1.) die Tracks am heimischen Computer exakt nachverfolgt und ggf. bereitgestellt werden und 2.) ist bei z.B. schlechten Sichtverhältnissen ein Back-Tracking entlang des aufgezeichneten Tracks möglich. Natürlich sollte das nicht zur Normalität werden, aber für den Fall der Fälle ist das eine gute Sache. Eine Kompassfunktion kann ebenfalls nützlich sein.

Mittlerweile gibt e sogar Uhren, die die Position auf der Karte anzeigen können. Die Idee finde ich gut – praktisch konnte ich das noch nicht testen.

Ich verwende und empfehle [Suunto Ambit 3 HR]

Trinkflasche

Ich nutze 2x1L-Kunststoffflasche mit Weithalsverschluss in die ich heißen Tee einfülle. Bei Kälte packe ich eine der beiden Flaschen in eine Isolationshülle. Im Frühjahr nehme ich als Zweitflasche eine ganz normale Einweg-Mineralwasser-Flasche aus dem Supermarkt. Von Trinksystemen mit Schlauch bin ich wieder abgekommen, da mir diese selbst in Isolationsbeuteln und –schläuchen teilweise beim Ventil einfrieren. Lieber 1x pro Stunde kurz stehen bleiben und trinken als ein „Gschiss“ mit dem Schlauch. Außerdem ist mir bei einer Mehrtagestour einmal der Trinkbeutel im Rucksack geplatzt. Das hat speziell den Schlafsack überhaupt nicht gefreut…

Ich verwende und empfehle [2x no-name 1L-Weithals-Kunststoffflasche]

Isolationsbehälter für Essen

Freunde, das ist eine der besten Investitionen für die nächste Skitour! Beschafft euch einen ca. 500-750ml Iso-Behälter, kocht in der Früh schnell Knödel (Grammel-, Spinat-, Tiroler-, …) mit Sauerkraut, Pasta, Gulasch oder ähnliches, ab damit in den Behälter und ihr werdet bei der Gipfelpause neidvolle Blicke auf euch ziehen. Seitdem ich mit dieser Kombi unterwegs bin gibt es kein eisiges Wurst-Käse-Brot mehr in meinem Winterrucksack. Bei widrigen Verhältnissen gibt es nichts Besseres, als warme Kalorien im Bauch! Plastiklöffel nicht vergessen.

Ich verwende und empfehle [Esbit Food-Isolationsbehälter 750ml]

Verpflegung

Wie oben beschrieben meist etwas Warmes, Müsliriegel, Fruchtriegel, ggf. Schoki/Mannerschnitten, Studentenfutter und Obst. Manchmal auch einen Kaffee im Becher und Kuchen/Strudel. Der Proviant ist abhängig von Tourlänge, Gruppe, Hütteneinkehr, etc. Und ja, ich bringe manchmal auch Speisen, die ich nicht gegessen habe, wieder mit nach Hause ;-)

Ich verwende und empfehle [siehe Text]

Taschentücher

Taschentücher kann man nicht nur zum Naseputzen verwenden, sondern auch, wenn man auch mal auf die „große Seite“ muss und gerade kein Toi-Toi herumsteht. Auf Mehrtagestouren nehme ich stattdessen eine kleine Packung Feuchttücher.

Ich verwende und empfehle [egal – Hauptsache ihr habt welche mit]

Ihr seid anderer Meinung, habt hilfreiche Erfahrungen gemacht oder wertvolle Tipps? Dann hinterlasst doch bitte einen Kommentar unter diesem Beitrag!

Übersicht

Aufgrund der Vielschichtigkeit des Themas haben wir dieses in folgende Schwerpunkte gegliedert:

Zusätzlich findest du hier eine zusammenfassende Mindmap-Grafik mit den wichtigsten Schlagworten:

Ausruestung

Wer hat getestet?

Mario geht seit vielen Jahren im Durchschnittlich 80 Skitouren pro Saison und verfügt dadurch über viel Erfahrung im Bereich Ausrüstung. Nach den allgemeineren Infos findest du in der [Klammer] jeweils das Setup, das ich nutze bzw. empfehle.

Dieses eigentlich sich für Ottonormalverbraucher und fällt unter die Kategorie „Allround – One for all„. Natürlich gibt es für bestimmte Einssätze (wie z.B. im Rennbereich, Powderdays) passenderes Material – aber nicht jede/r möchte 3 Paar Ski in der Garage stehen haben…

Fazit

Die Wahl der richtigen Ausrüstung für Skitouren ist eine komplexe Angelegenheit – insbesondere für EinsteigerInnen. 

Es gibt auch nicht DIE richtige Ausrüstung für alle und jeden Einsatzzweck, sondern jeder muss für sich die richtige Kombination finden!

Bitte achtet auf Qualität und Gegenstände, die 100% zu euch und euren Bedürfnissen passen. Spart nicht am falschen Fleck!

Bei uns war’s so, dass wir nach den ersten Saisonen einiges dazu gelernt haben. Von diesen Erkenntnissen könnt ihr hier profitieren!

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4 Comments

  1. C 19. Januar 2018 at 10:05 - Reply

    Vielen Dank für die tollen Artikel

  2. Adam Kästner 21. Mai 2018 at 02:04 - Reply

    Toller Artikel!

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