Neue Kletter-Guidebooks von Panico

Prolog

Panico Kletterliteratur erfreut sich bereits seit vielen Jahren großer Beliebtheit. Kein Wunder, decken sie doch die gängigen Gebiete in den Ostalpen ab – und das in einer durchgehend hohen Qualität. Wir haben einige aktuelle – teilweise druckfrische – Führer einem ersten Review unterzogen. Wer sich also für Klettereien in Vorarlberg, dem Allgäu oder dem Maltatal interessiert, sollte unbedingt weiterlesen.

Review

Allgemeines zu den Führern von Panico

Die Bücher sind durch ihr kompaktes Format absolut Rucksacktauglich. Die Alpinführer sind in einer stabilen PVC-Hülle geschützt und warten mit zusätzlichen Topo-Karten aus verstärktem Papier/Karton auf. Damit kann das dickere Büchlein ruhigen Gewissens im Auto oder zu Hause bleiben, während man nur die relevanten Kärtchen mitnimmt. Das ist auch gut so, denn die Bücher werden mit jeder Auflage umfassender und dadurch dicker/schwerer. Ein Tipp am Rande: Noch besser ist es, auf Tour eine Kopie des relevanten Topos (plus ggf. für Alternativrouten) mitzunehmen. Die Karten sind fast schon zu schön, um sie in der Tasche zu zerknittern, oder ähnliches.

Sämtliche Panico Guidebooks geben zu Beginn eine grobe Gebietsübersicht und liefern allgemeine Informationen wie z.B. Anreiseoptionen, Übernachtungsmöglichkeiten, Bewertungsschemen, etc. Generell lassen sich die Führer in zwei Kategorien einteilen:

  • Kletterführer Alpin (mit Topo-Kärtchen): Format 115 x 185 mm
  • Kletterführer: Format 148 x 185 mm

In diesem Review schauen wir uns folgende Werke etwas genauer an:

Vertical Life App

Apropos: Der Panico Verlag geht mit der Zeit und wird digital! Konkret bedeutet das, dass es für ausgewählte Bücher nach Erwerb einen speziellen Downloadcode für die Vertical Life App gibt. Damit lassen sich Topos auch am Android- oder Apple-Smartphone bzw. Tablet abrufen und sind dadurch flexibel verfügbar. Das Ganze gilt drei Jahre ab Codeeingabe. Wer einen längeren Zugriff bzw. auf sämtliche digitalen Kletterführer zugreifen möchte, kann das über ein kostengünstiges Abo-Modell tun: Um EUR 5,– pro Monat sind darin Guidebooks von A wie Australien bis Z wie Zillertal inkludiert! Zusätzlich gibt es eine „Premium with Friends“ Version (EUR 15,– pro Monat für 5 User).

Sportkletterführer Vorarlberg, 3. Auflage 2021

Sage und schreibe 496 Seiten umfasst DAS Standardwerk für Sportklettern in Vorarlberg mittlerweile. Darin werden sämtliche Kletterfelsen in den Regionen Bregenzer Wald, Rheintal, Walgau, Montafon sowie Arlberg abgedeckt. Hier wurde und wird durch Persönlichkeiten wie Beat Kammerlander, Alexander Luger, Barbara Zangerl oder Marco Wasina sowie viele weitere Locals Klettergeschichte geschrieben.

Klettern hat im Ländle eine lange Tradition, was sich in den unterschiedlichen Erschließungsstilen und Absicherungsniveaus sowie Felsqualitäten widerspiegelt. Damit nicht genug, werden laufend neue Routen und Gebiete erschlossen bzw. bestehende saniert. Die meisten Spots – abgesehen vom Rheintal – bieten zudem Sportklettern mit alpinem Ambiente bzw. Aussicht auf die grandiose Bergwelt Vorarlbergs. Viele talnahe Gebiete punkten mit extrem kurzen Zustiegszeiten sowie einfacher Erreichbarkeit – vielfach auch mit Öffis.

Weiters finden sich wahre Klettereldorados in Gehdistanz zu Alpenvereinshütten – wie beispielsweise der wunderschön gelegenen Ravensburgerhütte in der Arlbergregion. Wohl gemerkt: wer sich weiter ins Gebirge wagen möchte, dem sei der Panico Kletterführer Alpin Vorarlberg ans Herz gelegt. Dieser deckt zahlreiche hüttennahe Klettergärten sowie Ziele an den höheren Bergen ab.

Je Gebiet gibt es eine oder mehrere Übersichtskarte(n), Wandfotos mit den Sektorenbezeichnungen sowie Illustrationen der einzelnen Teilsektoren. In diesen sind die nummerierten Routen farblich nach Schwierigkeit eingezeichnet und Umlenker – teilweise auch einzelne Bohrhaken – eingezeichnet. Daneben findet sich eine Routenliste mit Nummer, Name, Erschließer, Bewertung und einer Kurzbeschreibung. Autor Stefan Lindemann hat zahlreichen Regionen zusätzlich die Rubrik „Bouldern“ spendiert, damit auch FreundInnen größerer und kleinerer Blöcke auf ihre Kosten kommen.

Kletterführer Alpin Vorarlberg, 6. Auflage 2021

Klein, aber dank der bergigen Lage durchaus „oho“ präsentiert sich das Ländle hinsichtlich alpiner Kletterunternehmungen. Zwischen dem eher sanft-bergingen Andelsbuch (Bregenzerwald) und der hochalpinen Bielerhöhe (Silvretta) finden sich unzählige spektakuläre Wände, wo garantiert jede/r das Richtige für sich findet. Hilfreich sind auch hier die überschaubaren Wegstrecken bei der Anreise durch die kompakte Topografie des Landes, sowie die relativ kurzen Zustiegszeiten zu den Einstiegen. Insbesondere unter Zuhilfenahme eines (e-)Bikes für die berühmt-berüchtigte letzte „Meile“.

Die primären Gebiete sind der Bregenzerwald, der Arlberg, das Verwall, das Rätikon, sowie die Silvretta. Hinsichtlich Charakter bzw. Absicherung findet sich das komplette Sortiment von Trad- bis hin zu Plaisirroute, kurz bis ultra-lang, Nord bis Süd. Im Ländle finden sich zudem etliche gut abgesicherte alpine Sportkletterrouten, wie beispielsweise: Große Klara, rund um die Biberacher Hütte, Spuller Platten, Platnitzer Jochspitze, Widderstein, Hochmaderer und ganz besonders die neuen Ziele rund um die Jamtalhütte. Wer zusätzlich bereit ist, die vorhandenen Absicherungen kreativ mit mobilen Sicherungsmitteln auszubauen, wird garantiert genug Potenzial für ein halbes Kletterleben finden.

Überraschend ist, dass durch zahlreiche, spektakuläre Wände auch Routen in einfachen, mittleren, sowie schwierigen Graden führen. Oftmals nahe beieinander, so dass man einen Blick in die benachbarten Routen erhaschen kann. Somit kommen KletterInnen jeglichen Klientels in den Genuss, auf bekannte und weniger bekannte Gipfel zu steigen.

Die zentrale Lage im 4-Ländereck bringt es mit sich, dass zahlreiche Anstiege auf „Grenzgipfel“ führen. Beispielsweise ist die Südwand der Sulzfluh sowohl via Montafon, wie auch vom Schweizerischen Prättigau erreichbar. Ähnliches gilt für Ziele, die via Tirol (z.B. Patteriol) oder das süddeutsche Allgäu erreichbar sind.

Die einzelnen Teilgebiete werden in Form vom Übersichtsskizzen kompakt dargestellt. Die eigentlichen Kletterziele anhand von Wandfotos, in denen die Routen direkt eingezeichnet sind. Nicht dezidiert genannte Führen werden zumindest weiß gestrichelt eingezeichnet – das erleichtert die Orientierung vor Ort. Die Topos sind selbsterklärend, klar strukturiert und in einem modernen, grafischen Stil gehalten. Je Route finden sich folgende Informationen: Name, Schwierigkeit, Wandhöhe, Kletterlänge, Charakter (inkl. hilfreicher Informationen), sowie Erstbegeher. Auf die Angabe der „Ernsthaftigkeit“ wurde bewusst verzichtet.

Besonderes Highlight sind sicherlich die separaten Topo-Kärtchen (40 Topos auf 20 Kärtchen), die je einen speziellen Wandbereich mit meist mehreren Routen zeigen. Zusätzlich finden sich darauf Informationen zum Abstieg. Der 456-seitige Führer blickt in der 6. Auflage auf eine mittlerweile 30-jährige Geschichte zurück und war nebenbei bemerkt der erste Alpin-Kletterführer des Panico Verlags.

Kletterführer Alpin Allgäu (inkl. Tannheimer Berge), 1. Auflage 2020

Das Allgäu erfreut sich insbesondere bei KletterInnen aus dem süddeutschen Raum großer Beliebtheit. Verständlich, denn die dortigen Berge sind quasi die erste Felsbarriere zwischen Deutschland und dem sonnig-warmen Süden. Auf 420 Seiten und 40 Topo-Kärtchen (also eigentlich 20, die doppelseitig bedruckt sind) werden in dieser ersten, „echten“ Auflage sämtliche, lohnenden Anstiege der Region vorgestellt. „Echte Auflage“ deshalb, da es bereits 2013 eine Vorauflage gab, seit der sich selbstverständliche unzählige Inhalte geändert haben.

Spoiler-Alert: Der Großraum Oberstdorf bietet zudem dermaßen viele Klettermöglichkeiten, dass 2022 neben dem Alpinführer Allgäu auch die Führer Ammergauer Alpen sowie Lechtaler Alpen erscheinen werden.

Geografisch fokussiert der Autor auf diese Gebiete: Tannheimer Berge, Vilsalpseeberge, Ostrachtal, Allgäuer Hochalpen, Mindelheimer Hütte, Kleinwalsertal, sowie Allgäuer Voralpen. Im Aufbau knüpft das Guidebook nahtlos an den Alpinführer Vorarlberg an. Sprich: Vorstellung der Gebiete, Übersichtsfotos, Topos, detaillierte Routeninfos, etc. Zur Übersicht des jeweiligen Gebiets werden topographische BEV-Karten genutzt. Vorbildlich, wie wir finden!

Weiters fällt sehr positiv auf, dass sich bei vielen Anstiegen neben den Standardinformationen (Wandhöhe, Kletterlänge, Schwierigkeit, Charakter, Erstbegehung) auch die Rubriken „Material“ sowie „Tipp“ befinden. Das spart Platz im Rucksack und entlastet den Rücken :-).

Kletterführer Maltatal, 3. Auflage 2021

Das „Tal der stürzenden Wasser“ ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern mittlerweile weit über die Grenzen hinaus bekannt. Diese wildromantische Gegend bietet nicht nur im Winter Eisklettermöglichkeiten en masse, sondern punktet auch in der trockenen Jahreszeit mit tollen Klettergebieten. Der Führer fokussiert primär auf die Region zwischen dem Ort Malta und dem Speichersee Kölnbrein. Zusätzlich werden zwei Spots am Millstädter See sowie zahlreiche alpine Ziele beschrieben. Gut 50 der insgesamt 336 Seiten widmen sich den lokalen Boulderoptionen und last-but-not-least werden einige ausgewählte Klettersteige erwähnt. Besonders hervorzuheben ist, dass die wichtigsten Passagen des Buches ins Englische übersetzt wurden (Zustieg & Co).

Zurück zum Gebiet an sich: Das Maltatal ist ein vergleichsweise „junges“ Kletterrevier. Die Felsqualität ist durchwegs hervorragend. Abgeschmierte Marmor-Routen finden sich selten bis gar nicht. Die Absicherungen sind sowohl in den Klettergärten, wie auch den talnahen Mehrseillängen im Plaisirstil eingerichtet. Damit eignen sie sich insbesondere für Einsteiger und Familien. Die Zustiege zu den Klettergärten sind in der Regel ultra-kurz und dank der Topografie sowie des namensgebenden Flusses bleiben die Temperaturen selbst an heißen Sommertagen im Rahmen.

Die Topos erfüllen ihren Zweck, sind im Detailgrad aber nicht ganz so hoch, wie beispielsweise in den Vorarlberg Führern. Dies trifft insbesondere auf die Darstellung der Bohrhaken sowie die alpinen Wege zu. Diese sind teilweise in Form von Fotos mit den groben Routenverläufen und teilweise als klassisch gezeichnete Topos verfügbar. Zur Orientierung reichen sie auf jeden Fall gut aus!

Fazit

Das Panico-Angebot an Guidebooks steigert sich gefühlt jedes Jahr aufs Neue und legt an Detailliertheit ordentlich zu. Im deutschsprachigen Alpenraum sind mittlerweile de facto alle wesentlichen Spots mit Führern erfasst. Das Layout ist zeitgemäß, der Aufbau durchgängig und logisch, die Topos und Informationen zu 90% standardisiert. Kommt man mit einem beliebigen Panico-Buch zurecht, so wird man sich in Nullkommanichts auch in einem anderen zurechtfinden. We like!

Schön ist außerdem, dass der Schritt in die Digitale Welt via „Vertical Life App“ gemacht wurde. 95 % aller Panico-Sportkletterführer sind darin bereits verfügbar und das Angebot wird laufend erweitert!

Abgesehen davon ist es faszinierend, zu sehen, welch tolle Gebiete es in unseren Breiten gibt. Insbesondere in Zeiten von Nachhaltigkeit, Öko-Bewusstsein und eingeschränkter Reisefreiheit durch Corona liegt das gute doch so nah. Zeit für ausgedehnte Kletterreisen in heimischen Gefilden – denn es muss nicht immer Arco, Kalymnos oder ein anderen In-Spot sein.

 

 

Eckdaten

Autor: Diverse
Verlag: Panico Alpinverlag
Kategorie: Alpinliteratur, Führer
WWW Link:  www.panico.de
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Wer hat getestet

Nachdem die Tourenplanung bei der Alpine Family eher bei Mario liegt und er mehr Alpinerfahrung hat, lag das Testen in diesem Fall primär bei ihm. 

Fazit

„Wow! Damit bringt Panico sein ohnehin sehr umfangreiches Sortiment auf den neuesten Stand – in gewohnt hoher Qualität.“

Transparency

Danke an dieser Stelle für die wertschätzende Zusammenarbeit mit dem Panico Alpinverlag, der uns die Produkte kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Da wir in der glücklichen Lage sind, von solchen Kooperationen finanziell nicht abhängig zu sein, können wir neutral testen und berichten.