Ausrüstung für Skitouren: #1 – Ski & Co.

Prolog

Ausrüstunglisten für Ausflüge im Schnee gibt es viele.
Wir geben euch einen Einblick in unsere persönlichen Equipment-Erfahrungen. Vielleicht erleichtern wir euch damit die ein oder andere Kaufentscheidung…

Der erste Teil dieser Serie befasst sich mit dem Namensgeber – der Skiausrüstung. Hier kommt es sehr stark auf den persönlichen Geschmack und das Einsatzgebiet an. Generell empfehlen wir, diese Ausrüstung idealerweise vorab praktisch zu testen (z.B. im Rahmen von Skitouren-Testivals, Sporthändlern oder Verleihmöglichkeiten wie Alpenvereinssektionen).

Tourenski

Mittlerweile gibt es für alle Bedürfnisse eine unüberschaubar große Auswahl. Für durchschnittliche Touren nutzen wir Modelle mit eine Mittelbreite um die 90mm unter der Bindung. Breit genug für Auftrieb im Pulver, schmal genug für heikle Passagen (zB steile, harte Coloirs). Niedriges Gewicht rächt sich oft bitter bei der Abfahrtsperformance („Skiflattern“, Grip). Nachdem die Ski im Aufstieg eher gezogen als gehoben werden und die Tragepassagen meist überschaubar sind, ist etwas mehr Gewicht durchaus zu verkraften! Mit Carbon und zu radikalen Rocker-Shapes habe ich schlechte Erfahrungen gemacht – lieber klassische Materialien und leichter Rocker! Je nach Einsatzzweck und persönlicher Vorliebe eignen sich natürlich unterschiedliche Ski!

Ich nutze und kann empfehlen [Movement Chillout 135-95-125]

Bindung

Die Bindung ist die primäre Verbindung zwischen Körper und Ski. PIN-Bindungen sind hier klar im Vorteil und schenken sich nicht viel. Grundsätzlich soll die Bindung zum Ski passen – d.h. ein Rennski mit einer massiven Bindung macht genauswo wenig Sinn wie umgekehrt. Mit Modellen wie der G3 ION, Marker Kingpin, Dynafit Radical, Fritschi Vipec, u.a. liegt ihr richtig. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in Details und im Handling. Idealerweise probiert ihr im Geschäft eine aus und testet den Bedienkomfort (Einstieg, Verriegelung, Steighilfe, Harscheisen). Achtet darauf, dass Bindung und Schuh kompatibel sind – manche Bindungen benötigen z.B. andere Inserts (vorne/hinten) für bestimmte Schuhe, auch wenn sie eigentlich PIN-kompatibel sind! Dynafit ist historisch bedingt (Patentinhaber) Platzhirsch, wobei viele Menschen in meinem Umfeld (inkl. mir) viele negative Erfahrungen mit diesem Hersteller gemacht haben. Ich rate daher zu anderen Herstellern!

Greift zu einem Modell mit Stopper und lasst euch nicht zu Fangriemen verleiten. Besser ist, bei neuen Produkten eine Saison abzuwarten, denn neu entwickelte Linien haben oft Probleme, die erst nach einer Saison behoben werden. Harscheisen solltet ihr immer mitnehmen und idealerweise oben im Rucksack verstauen. Bei Bindungen wie der G3 Ion lassen sich die Eisen montieren, ohne aus der Bindung auszusteigen –> sehr praktisch!

Ich nutze und kann empfehlen [G3 Ion 12]

Skitouren-Schuhe

Die Schuhe sind mit Abstand der wichtigste Teil der Skitourenausrüstung! Warum das so ist? Weil ihr hier auf Dauer jede Kleinigkeit spürt – im schlimmsten Fall sehr schmerzhaft! Am Besten ihr geht in ein echtes Fachgeschäft und lasst den Fuß vermessen. Daraufhin wird die Auswahl kleiner und ihr probiert die verbleibenden Modelle. Greift zu einem Modell mit thermo-verformbaren Innenschuhe und lasst ihn anpassen. Der Schuhe sollte von der Bauart irgendwo im Mittelfeld liegen – also weder Freerider noch Racer. Je weniger Schnallen, desto ärgerlicher ist es, wenn diese auf Tour brechen. Eine griffige Vibram-Sohle ist Pflicht.

Leuten mit „Problemfüßen“ empfehle ich dringend, Einlagen beim Spezialisten anfertigen zu lassen (das müssen keine orthopädischen sein). Ihr glaubt gar nicht, was alles möglich ist! Das sind sicherlich die am-besten-investierten 150,– im Skitourenbereich! Meine absolute Empfehlung: Schuhhaus Sander in Schruns (Montafon/Vorarlberg)!

Ich nutze und kann empfehlen [Scarpa Maestrale RS]

Felle

Viel probiert und schlussendlich beim Hersteller Contour fündig geworden! Die nutzen keinen klassischen Kleber, sondern halten aufgrund des Adhäsions-Prinzips. Das ist super im Handling und rückstandsfrei. Die Felle könnt ihr ganz leicht selber mit dem mitgelieferten Cutter an eure Ski anpassen. Aufpassen, dass die Felle nur auf sauberen (und getrockneten) Belag genutzt werden, sonst halten sie nicht ordentlich. Link zum Test von Contour-Fellen auf alpin-blog.com.

Bei klassischen Klebefellen ist darauf zu achten, dass diese immer schön sauber gehalten werden. Insbesondere zu Winterbeginn und im Frühjahr. Je nach Hersteller können die Felle direkt aufeinander geklebt werden oder sind mit Trennfolie/-netz zu verwenden. Solltet ihr auf Tour nochmals auffellen, dann transportiert die Felle unter der Jacke.

Ich nutze und kann empfehlen [Contour Hybrid Mix Vario]

Stöcke

Jedenfalls höhenverstellbar für Aufstieg und Abfahrt. Dadurch könnt ihr sie auch leichter am Rucksack verstauen. Kein Schraubsystem sondern Befestigung mittels stabilem Klemm-Mechanismus. 2 Segmente sind ausreichend – 3 braucht es nicht. Ein verlängerter Thermogriff ist eine gute Sache. Carbon ist mit Vorsicht zu genießen und uns schon x-mal gebrochen – daher lieber Alu. Achtet auf lange Stockspitzen und große Schneeteller!

Ich nutze und kann empfehlen [Leki Aergon 2]

Ihr seid anderer Meinung, habt hilfreiche Erfahrungen gemacht oder wertvolle Tipps? Dann hinterlasst doch bitte einen Kommentar unter diesem Beitrag!

Übersicht

Aufgrund der Vielschichtigkeit des Themas haben wir dieses in folgende Schwerpunkte gegliedert:

Zusätzlich findest du hier eine zusammenfassende Mindmap-Grafik mit den wichtigsten Schlagworten:

Ausruestung

Wer hat getestet?

Mario geht seit vielen Jahren im Durchschnittlich 80 Skitouren pro Saison und verfügt dadurch über viel Erfahrung im Bereich Ausrüstung. Nach den allgemeineren Infos findest du in der [Klammer] jeweils das Setup, das ich nutze bzw. empfehle.

Dieses eigentlich sich für Ottonormalverbraucher und fällt unter die Kategorie „Allround – One for all„. Natürlich gibt es für bestimmte Einssätze (wie z.B. im Rennbereich, Powderdays) passenderes Material – aber nicht jede/r möchte 3 Paar Ski in der Garage stehen haben…

Fazit

Die Wahl der richtigen Ausrüstung für Skitouren ist eine komplexe Angelegenheit – insbesondere für EinsteigerInnen. 

Es gibt auch nicht DIE richtige Ausrüstung für alle und jeden Einsatzzweck, sondern jeder muss für sich die richtige Kombination finden!

Bitte achtet auf Qualität und Gegenstände, die 100% zu euch und euren Bedürfnissen passen. Spart nicht am falschen Fleck!

Bei uns war’s so, dass wir nach den ersten Saisonen einiges dazu gelernt haben. Von diesen Erkenntnissen könnt ihr hier profitieren!

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6 Comments

  1. fidelius55 1. Dezember 2017 at 03:32 - Reply

    Danke für den informativen Beitrag und die Empfehlungen. Das grenzt die Suche beim ski online kaufen doch etwas ein.

  2. Chris 1. Dezember 2017 at 18:41 - Reply

    sicher, dass das nicht 90 mm (statt cm) mittelbreite sind?

  3. flo 8. Dezember 2017 at 15:49 - Reply

    Du hast auch meiner Meinung nach die wichtigsten Punkte herausgestellt.

    1.) unbedingt viel Recherche/Zeit investieren in die Anschaffung der Skistiefel. Keinen zu großen, zu weichen, drückenden Stiefel.
    2.) die Füße beim Orthopäden untersuchen lassen, bei (verbreiteten) Fehlstellungen wird in D die Einlage von der Krankenkasse bezahlt, man zahlt nur 18 € pro Paar dazu und kann pro Jahr zwei paar Einlagen verschrieben bekommen.
    3.) unbedingt viel Zeit in die Wahl des korrekten Shape des Skis investieren. Mehr Körpergewicht heißt härterer, evtl. breiterer Ski. Keinen Leichtski 1300 Gramm, der abprallt, durchgeschüttelt wird und beim ersten Felskontakt zerschellt. Länge: körperlang plusminus. Mittlerer Tiprocker, flaches Tail. Um 95 mm. Lieber nicht zu stark tailliert, mir gefällt besser 20 m als 15 m Radius.
    4.) Ich hab mir damals unter anderem auf dein Anraten als erste Bindung eine Dynafit Pinbindung gekauft, und das war korrekt, dabei bin ich geblieben. Auf keinen Fall für ein paar Gramm und € auf den Stopper verzichten. Er hat (sicherheitsrelevante) Vorteile, aber gar keine erwähnenswerten Nachteile.

    Am wichtigsten im Backcountry: koservative Fahrweise, absolute Kontrolle, perfekte Planung von Anforderung/Verhältnissen. Man ist eben nicht im Skigebiet, wo die Pistenwacht ein Auge wirft, gleich Decke und Tee bringt, und die Helikopter schon in Warteschleife oberhalb kreisen.

  4. […] #1 – Ski & Co […]

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