Seit längerem ist diese Tour auf meinem Radar und durch eine glückliche Fügung (Facebook sei Dank) ergab es sich dieses Wochenende kurzfristig, dass wir die Wilde Leck via dem Ostgrat besteigen konnten. Viel habe ich über diese Tour in letzter Zeit gelesen, denn einige Blogger (u.a. Ulligunde, Hochtourist, …) haben diese Tour ebenfalls in jüngster Vergangenheit gemacht. Gespannt fuhren wir mit Simon’s T5 mit den MTBs am Radträger nach Gries im Ötztal und radelten in 1 Std. gemütlich zur Ambergerhütte, die nach diesem Wochenende die Pforten schließt.

Wilde Leck Ostgrat

Nach einem fulminanten Abendessen und ebensolchem Frühstücksbuffet (inkl. tollem Service und freundlichen Hüttenwirten) starteten wir um kurz nach 7 wieder mit den Bikes und folgten dem Bachverlauf bis ans Talende, wo das Gelände steiler wird. Über den ausgeschriebenen Pfad steigen wir zum Sulztalferners, auf dem wir uns rechts halten und bald scharf nach rechts auf den Wilde Leck Ferner abzeigen. Im Schutt-Teil sind bereits einige orangene Punkte, die den Weg weisen und wir können bereits aus einiger Entfernung die Einstiegsmarkierung (großer Smile am Fels) sehen. Via Ier Gelände gelangen wir auf den eigentlichen Ostgrat, wo wir die ersten Meter seilfrei überwinden und bei der ersten ausgesetzten Stelle anseilen. Die Bedingungen sind gut: genügend Sicht, relativ wenig Wind (dafür das starker Föhn angekündigt war), nur teilweise nasser bzw. eis-überzogener Fels und wenig bis mittelmässig viel Schnee.

Meist klettern wir am laufenden 60m Einfachseil und legen vereinzelt mobile Sicherungen. Entgegen anderer Berichte konnten wir vielfach Friends sowie ein paar kleinere Klemmkeile nutzen bzw. ließen das Seil direkt über Köpfschlingen laufen und auch die Felsqualität ist ausgezeichnet. Bandschlingen und Expressen nutzen wir kaum. Es befinden sich ein paar wenige Bohrhaken (ca. 3) in der Route, die wir allesamt nicht nutzen mussten, da die natürlichen Sicherungsmöglichkeiten ausreichend waren. Die Wegfindung ist meist schlüssig, nur 2x versteigen wir uns um wenige Meter und kehren problemlos zur eigentlichen Linie zurück. Die (aus unserer Sicht) Schlüsselstelle klettern wir A0 und ist nass/vereist frei wirklich schwierig. Hier würde ein Bohrhaken nicht schaden. Nach gut 250 hm Gratkletterei erreichen wir das Gipfelkreuz der Wilden Leck und packen entspannt die Jausenbrote aus. Die Stimmung ist genial und wir genießen es, sowohl die Leck als auch die umliegende Bergwelt mehr oder wenig für uns alleine zu haben.

Abstieg

Nun wird es spannend, denn auch hier haben wir uns nach zahlreichen Berichten im Internet auf gröbere Herausforderungen eingestellt. Luftig geht’s über den Westgrat vom Gipfelkreuz gar nicht so leicht bergab. An einer Stelle ist ca. 10m abseilen empfehlenswert (Abseilstand) und wahrscheinlich schneller/sicherer als abzuklettern. Danach geht’s wieder auf den Grat und wir folgen den gut sichtbaren orangenen Punkten (Weg wurde vor wenigen Tagen neu markiert!). Wer möchte, kann einige Bohrhaken für Zwischensicherungen verwenden – unbedingt notwendig ist es nicht. Nach ca. 100hm Abstieg wird das Gelände einfacher und wir packen das Seil weg. Die Punkte führen uns in eine Art großes Joch, wo linkerhand mehrere Rinnen zurück auf den Ferner führen. Die Punkte weisen auch hier den Weg eindeutig.

Grundsätzlich gibt es in der markanten Rinne zwei Möglichkeiten. Entweder entweder von oben gesehen links direkt in der Rinne absteigen oder rechts am Grat entlang (Punkte & vereinzelt Bohrhaken) mit anschließendem 1x/2x abseilen. Wir entscheiden uns für Variante 1, was rückblickend der falsche Weg war, denn die Rinne ist ausgesprochen gefährlich. Einerseits aufgrund des unvermeintlichen Steilschlags (einzeln absteigen und bei geschützten Punkten warten), andererseits aufgrund der hohen Rutschgefahr (lose Erde und Gestein auf hartem Untergrund). Besser und wesentlich sicherer ist daher definitiv Variante 2, die ich jeder Seilschaft ans Herz legen möchte. In beiden Fällen ist jedenfalls auch für den Abstieg erhöhte Konzentration angesagt!

Nach der Rinne gelangen wir auf den Ferner und rutschen im Schnee  der Aufstiegsspur entgegen. Über diese zurück zu den Bikes, in wenigen Minuten zur Hütte, Sachen zusammen packen, Biskuitrollade verdrücken und in weiteren zehn Minuten zurück zum Auto. In Summe hat uns die Tour Hütte – Wilde Leck Ostgrat – Abstieg via Westgrat – Hütte – Parkplatz 8,5 Std. gedauert :-)

Fazit

Es freut mich unheimlich, dass sich diese Tour noch in der 2015er Saison ausgegangen ist. Vielen Dank an dieser Stelle an Simon, der mehrheitlich und souverän vorgestiegen ist. Dafür war ich schnell im Materialaufsammeln und hatte die glorreiche Idee, die Bikes zu nutzen. Rückblickend wohl DIE richtige Entscheidung dieses Wochenendes. Die Tour an sich hat mich absolut positiv überrascht und kann ich uneingeschränkt empfehlen. Der Stützpunkt Ambergerhütte ist sowieso super!

By | 2017-07-23T15:47:55+00:00 Oktober 4th, 2015|Categories: AT - Tirol, Auf Tour, Klettern|Tags: , , , , , |4 Comments

4 Comments

  1. Adrian 4. Oktober 2015 at 11:21 - Reply

    Wow Bohrhaken?? Die müssen neu sein. Bei unserer Begehung Anfang Juli gabs nichts der gleichen. Weder am Ost- noch am Westgrat. Wie du schreibst, brauchts die auch nicht. Die Abseilstelle am Westgrat (Schlingenstand) hatten wir bei unserer Begehung eingerichtet. Absteigen geht auch: Ist schneller aber heikeler wegen sandiger Platten. Dass der Abstieg über den Westgrat nun markiert wurde, kann man nur begrüßen (bei all den gruseligen Abseilgeschichten entlang des ursprünglichen Südabstiegs). Behutsames Abseilen durch die Schuttrinne am Ende ist wohl am zweckmäßigsten. Die Begeher des Vortages hatten dankenswerterweise 2 Schlingenstände mit Schraubglied hinterlassen (je 60m). Tolle Fotos!

    • Mario Kempf 4. Oktober 2015 at 11:35 - Reply

      Tja, so schnell kann’s gehen. Aber wie gesagt vielleicht 3 Stk. je im Westgrat und im Ostgrat. Abstieg ist jetzt definitiv sicherer und die Einrichtung ist zu begrüßen finde ich!

      Und danke für das Kompliment :-)

      LG Mario

  2. Michael Meier 4. Oktober 2015 at 15:09 - Reply

    Hallo Mario!

    Seeeehr gelungener und aufschlussreicher Tourenbericht! Danke! Man kann Deine Begeisterung und Freude über diese tolle Tour beim Lesen regelrecht spüren!

    Ich hab den Ostgrat der Wilden Leck schon seit einiger Zeit im Auge und dank Deines Berichts werd ich das nächstes Jahr gleich angegen. Heuer wird’s aufgrund der aktuellen Wetterentwicklung und Hüttenschließung wohl leider nichts mehr. Die Gegend um die Amberger Hütte ist ein so tolles Tourengebiet und auch die Hütte ist ein Juwel. Bin gern dort!

    Viele Grüße
    Michael Meier

    • Mario Kempf 4. Oktober 2015 at 19:41 - Reply

      Servus Michael,
      danke für die Blument. War wirklich super und kann ich nur wärmstens emppfehlen! Am Besten zwischen Mitte Juli und Mitte September – dann passen die Verhältnisse sicherlich. Und du hast recht, die Ambergerhütte ist wirklich super!!

      LG und gutes Gelingen,
      Mario

Leave A Comment