2015-September: Fast packt mich das schlechte Gewissen: schon wieder so ein perfektes Wochenende in den Bergen: Freitag ging‘s ins hinterste Ötztal zu den Rofenhöfen bei Vent. Aufstieg Breslauerhütte und Kraft für den nächsten Tag tanken.

Samstag: Wildspitze

Der Wecker geht kurz vor Sonnenaufgang – wir verlassen die Hütte und lassen uns von den ersten Sonnenstrahlen wärmen. Eine tschechische Viererseilschaft hat bereits am Vorabend mit den Spurarbeiten begonnen, die sich glücklicherweise aufgrund der mäßigen Neuschneefälle der Woche in überschaubarem Rahmen halten. Beim Mitterkarjoch entscheiden wir uns für den klassischen Anstieg über den Seil-versicherten Steig durch die Wand. Einige andere Seilschaften wählen die direkte Linie durch die Rinne – sieht ebenfalls ok aus wenn auch deutlich härterer Untergrund.

Auf der anderen Seite (Taschachferner) des Jochs ist deutlich mehr Schnee und das Spuren wird zehrender. Das merken auch die beiden Seilschaften vor uns, die wir rasch einholen. Kurz zuvor machen wir noch ein Materialdepot im flachen Stück um unsere Kräfte zu sparen. Nach dem markanten Steilstück stehen wir unterhalb des Gipfelaufbaus und spuren linkerhand zum Grat hoch. Über diesen gelangen wir problemlos zum Gipfelkreuz der Wildspitze (3.774m), die wir als erste Seilschaft erreichen und somit zumindest kurze Zeit für uns alleine haben.

Wir steigen über den Normalweg ab und folgenden der vorhandenen Aufstiegsspur zurück zu unserem Material. Den Hinteren Brochkogel umrunden wir zur Hälfte, lassen das Brochkogeljoch links liegen und steigen direkt auf die Petersenspitze (3.482m). Über den dahinter liegenden (einfachen) Grat steigen wir via Taschach Hochjoch zum eigentlichen Taschachjoch, das durch einen Holzpflock gut zu erkennen ist. Der Abstieg zum Joch ist technisch aufgrund der Steilheit und einer großen Spalte nicht zu unterschätzen. Vom Joch wird ca. 20m unschwierig auf den Vernagtferner abgestiegen. Dieser führt uns zum Weg Nr. 214, der uns direkt zu unserem Ziel – der Vernagthütte – bringt.

Sonntag: Fluchtkogel

Nachdem sich unser morgendliches Startkonzept am Vortag bestens bewährt hat starten wir heute analog und steigen Richtung Guslarferner.  Der Weg auf den Fluchtkogel wurde freundlicherweise am Vortag gespurt – wobei wir die Spur öfters in direkter Linie abkürzen. Unterhalb des Doppelgipfelaufbaus halten wir uns wie unsere Vorgeher links. Wir steigen jedoch ebenfalls nicht ins Obere Guslarjoch sondern steigen direkt in die schottrige Wand ein. Dieser Weg sollte definitiv nur als einzige Seilschaft begangen werden, denn das Gelände ist absolut steinschlaggefährdet. Kurz bevor wir das Ende der Wand/Rinne erreichen wird uns die Sache etwas zu heiß und wir queren nach rechts, wo das Gelände gestufter wird. Die lockeren Felsen bleiben jedoch…

Schließlich erreichen wir die Südwestflanke (Normalweg) und gelangen rasch zum Gipfel des Fluchtkogels (3.497m). Für den Abstieg wählen wir allerdings die Überschreitung und steigen nordöstlich über einen kurzen Grat wieder zum Guslarferner ab. In der Diretissima rutschen wir diesen hinunter und bald wieder zur Vernagthütte. Über den Hüttenweg steigen wir zu den Rofenhöfen ab und sind froh diesen Weg gewählt zu haben und nicht die angedachte Option – nämlich via Hochjochhospiz abzusteigen.

Fazit

Weniger Schnee als gedacht, perfekte Bedingungen, wenig Leute am Weg, eine spannende Route mit tollen Gipfeln. Alles, was das Bergsteigerherz höher schlagen lässt 🙂

GPS-Track Tag2:

GPS-Track Tag3:

Tour auf HIKR.org: http://www.hikr.org/tour/post99962.html

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