Neue Silbernagel-Führer (Topo.Verlag) für die Schweiz (2025/26)

Prolog

Wer die höheren Gipfel der Alpen erklimmen möchte, kennt wahrscheinlich die Führerliteratur von Daniel Silbernagel – und ist mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit dankbar für seine hervorragende Arbeit. Wir konnten die top-aktuellen Hochtourenführer Walliser Alpen sowie Band 1 und 2 von „Alpine Klettertouren“ test-lesen. 

Allgemeine Infos

Autor: Daniel Silbernagel u.a.
Verlag: Topo.Verlag
Kategorie: Alpinliteratur, Führer
WWW Link:  topoverlag.com
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Transparency

Danke an dieser Stelle für die wertschätzende Zusammenarbeit mit dem Topo.Verlag, der uns die Produkte kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Da wir in der glücklichen Lage sind, von solchen Kooperationen finanziell nicht abhängig zu sein, können wir neutral testen und berichten.

Review

Was macht den Topo.Verlag besonders?

Die Führer vom Topo.Verlag haben sich über die Jahre zur De-Facto-Standard Literatur für Hoch- und Klettertouren in der Schweiz entwickelt. Und das aus gutem Grund: Die Auswahlführer beschreiben unterschiedliche Fels- und Eistouren auf die bekanntesten Drei- und Viertausender der jeweiligen Gebiete. Schwerpunkt sind die bekannteren und mittelmäßig bekannten Aufstiege, die sich meist im mittleren bis höheren Schwierigkeitsgrad bewegen. Hardcorerouten (über S+/SS) findet man kaum in den Büchern, dafür Touren die in Vergessenheit geraten sind und mit den Büchern quasi aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurden. Information am Rande: es wurden nur jene Routen als Hauptrouten aufgenommen, die das Autorenteam selbst geklettert ist.

Dass es sich um einen Auswahlführer handelt, sieht man u.a. an diesem Beispiel: Im Walliser Führer ist natürlich der Matterhorn Gipfel genannt, wobei Hörnligrat sowie Liongrat beschrieben werden. Die alternativen (schwierigeren) Anstiege via Zmuttgrat oder Furggengrat sind nur als Alternativ-Routen beschrieben. Hierfür bräuchte es dann andere Informationsquellen. Trotzdem finden sich für durchschnittliche AlpinistInnen mehr als genügend eindrückliche Routen für viele Jahre Bergsteigerfreude…

Aufbau & Routenbeschreibungen

Beim ersten Durchblättern fällt bei den drei getesteten Führern rasch folgendes auf:

  • Dicke, dafür kompakt-formatige Bücher
  • Anfangs: Einleitung, Infos zu: Ausrüstung, Zeitangaben, Bewertungsskalen, Talorten, Hütten/Biwaks (inkl. Details wie Kocher/Gas ja/nein)
  • Mittelteil: Routen nach Gebieten/Gipfeln
  • Abschluss: Verzeichnis nach Routen, Alternativrouten, alphabetisch, Ernsthaftigkeit
  • Umschlag: Gebietsübersicht, Übersichtskarte
  • Teilweise Mehrsprachigkeit (DE, EN, FR)
  • Detaillierte Routeninfos mit Factbox der Eckdaten (Ausgangspunkt, Höhenmeter, Zeiten, Ausrüstungsinfos, Varianten), Kurzbeschreibung, Übersichtsfotos aus unterschiedlichen Perspektiven (teilweise mit eingezeichneten Routenverläufen), hochwertigen Kartenausschnitte der swisstopo, detailgenaue Topo-Skizzen. Die hervorragenden Topo-Grafiken sind sicherlich auch das Markenzeichen bzw. Alleinstellungsmerkmal der Silbernagel-Führer.

Generell handelt es sich bei den Büchern um Nachschlagewerk und natürlich auch um eine Inspirationsquelle. Hier unterstützen insbesondere die Fotos sowie Kartenausschnitte mit jeder Menge eingezeichneter Alternativrouten. Im Gegensatz zu klassischen Foto-Bildbänden stehen jedoch die praktischen/technischen Routeninformationen im Vordergrund. Ohne unnötigen Text beschreiben die Autoren die Touren kurz und knackig. We like!

Stichwort Kartenausschnitte: Hier gefällt uns besonders gut, dass neben der beschriebenen Route auch andere An-/Abstiege als Alternativen/Ergänzungen eingezeichnet sind. Schlüsselstellen/-länge sind teilweise hervorgehoben und mit kompakten Textinfos (z.B. „bei Blankeis schwierig“) versehen. Super ist, dass hochwertiges Swiss-Topo-Kartenmaterial abgebildet wird. Die Ausschnitte fokussieren dabei primär auf die gipfelnahen Regionen. Für die Übersicht und zur Planung empfehlen sich großformatige Papierkarten oder am besten die stets aktuellen Online-Karten von swisstopo.

Zur Angabe der Schwierigkeiten: Diese werden in den etablierten Bewertungs-Schemen für Hochtouren (L-AS), Fels (3a, 4c, etc.) sowie Firn-/Eis (45°) angegeben. Zusätzlich wird die fünfstufige Ernsthaftigkeits-Skala (E1-E5) genutzt – auf die in vielen anderen Nachschlagewerken leider verzichtet wird.

Bevor wir die einzelnen Führer im Detail beleuchten noch ein allgemeingültiger Hinweis:

Die Bücher sind zwar kompakt was das Format betrifft, bringen allerdings einiges an Gewicht auf die Waage. Idealerweise kopiert man sich die wichtigsten Seiten für eine Unternehmung im Vorhinein heraus und fotografiert diese zusätzlich mit dem Smartphone. Dann kann der schwere Wälzer im Auto bleiben und man hat die relevanten Informationen stets zur Hand.

WALLISER ALPEN, 4. Auflage (2020)

Von Aiguille d’Argentiere über Matterhorn bis Zinalrothorn finden sich hier unzählige Bergsteigerträume wider. Neben den Paradegipfeln werden auch weniger überlaufene Berge wie La Singla oder Gross Bigerhorn gezeigt. Auf exakt 400 Seiten beleuchtet Daniel Silbernagel in diesem Literatur-Klassiker insgesamt 90 Touren zwischen Mont Dolent und Fletschhorn.

Die Walliser Alpen bieten ähnlich den Berner Alpen für jeden Geschmack das richtige Ziel. Die Erschließung der einzelnen Gebiete ist mittels Seilbahnen und Hütten in vielen Fällen perfekt – beispielsweise rund um Saas-Fee und Zermatt. Andererseits existieren auch deutlich weniger frequentierte Flecken mit einsameren Zustiegen, wie z.B. rund um Orsieres/Bagnes, Dent Blanche, o.ä.

In diesem Führer stechen auf Anhieb die zahlreichen Überschreitungen ins Auge. Das macht die Touren noch spannender. Interessant wäre hier noch, zusätzlich darüber zu informieren, inwiefern sich die Anforderungen ändern, wenn die Begehungsrichtung umgedreht wird (z.B. von Ost-West auf West-Ost, siehe Breithorn-Traverse) bzw. weshalb die beschriebene Begehungsrichtung gewählt wurde.  

Als besonderes Beispiel haben wir uns die Gegend rund um die Dufourspitze herausgepickt. In den meisten Beschreibungen findet sich der Aufstieg via Westgrat und Abstieg über den Normalweg. Oder alles via Normalweg. Dann noch als Option das Nordend und wenn es eine wirklich gute Literatur ist, dann noch der Übergang von der Zumsteinspitze. Damit begnügt sich der Walliser Führer allerding nicht sondern beschreibt zusätzlich noch die Varianten via Grenzgletscher, Cresta Rey, Nordend Morshead Sporn, u.a.). Damit ergeben sich zahleiche neue Kombinationsmöglichkeiten, auf denen man deutlich mehr Ruhe hat. Der Kartenausschnitt mit sämtlichen genannten Routen, Übersichtsfotos sowie die jeweiligen Topos sind auch hier von höchster Güte und erleichtern die Planung ungemein.

Alpine Klettertouren Band 1, 2. Auflage (2025)

 

Alpine Klettertouren Band 2, 1. Auflage (2026)

adf

Fazit

„Von uns bekommen die aktuellen Silbernagel-Führer astreine 5 Sterne!“

Viel gibt es nicht mehr zu sagen. Von uns bekommen die aktuellen Silbernagel-Führer astreine 5 Sterne! Inhaltlich gibt es wenig Verbesserungsmöglichkeiten. Natürlich würden in zukünftigen Auflagen weitere Routen nicht stören. Hilfreich wären außerdem alternative (Hütten-)Zustiegsmöglichkeiten via Fahrrad – sofern möglich. Preislich im höheren Segment, aber jeden Cent (und noch viel mehr) wert – insbesondere in Anbetracht der Arbeitszeit, die in die Erstellung geflossen sein muss! 

Last-but-not-least: Wir freuen uns schon drauf, das vierte Werk im Bunde – die „Bündner Alpen“ zu schmökern, sobald es hier eine Neuauflage gibt!