Hochjoch Klettersteig (mit MTB)

Prolog

Vorarlberg hat seit Juli 2017 einen neuen Klettersteig: mit etwa 1.700m Gesamt-Klettermetern und ca.350hm, sowie dem höchsten Punkt auf 2.520m (Hochjoch Gipfel) lesen sich die Eckdaten schon einmal spannend. Die Umgebung  verspricht ebenfalls viel, denn das Montafon ist Sommer wie Winter immer eine Reise wert. Logisch, dass ich auf eine Begehung nicht lange warten konnte…

Tour

Anreise

Viele Wege führen zum Ziel – so auch hier. 100% umweltschonend rolle ich mit dem Bike nach dem Frühstück zum Götzner Bahnhof, nehme den Zug nach Bludenz, wo ich in die Montafoner Bahn umsteige, die mich direkt zum Ausgangspunkt der Tour – dem Bahnhof Schruns bringt. Alternativ ist natürlich auch die Anreise mit dem Auto möglich – Parkplätze hat es in der näheren Umgebung genug.

Auffahrt

Eine asphaltierte Straße schlängelt sich mal durch den Wald, mal über offenes Gelände immer in Seilbahnnähe zur Jausenstation Kropfen (1.375m). Hier ändert sich der Untergrund auf Schotter und man erreicht über Forststraßen die Bergstation Kapell (1.874m). Neben dem großen Bergrestaurant bietet sich eine kleine, idyllische Alm mit Sonnenliegen als Zwischenstopp an, denn Hitze und Höhenmeter fordern ihren Tribut. Apropos Proviant: Auf der gesamten Strecke gibt es alle 500 Höhenmeter Möglichkeiten, die Wasserflasche nachzufüllen. In meinem Fall hat daher eine 0,7er gereicht – und ich trinke wirklich viel!

Von der Alm erreicht man in zehn Minuten den Speichersee Kapell, von wo aus es nur noch ein kurzer, aber steiler Anstieg zum Eingang des Skitunnel ist. Dieser verbindet die Nordwest- mit der Südostseite und mündet direkt in einen hochalpinen Kessel, der von Sennigrat, Kreuzjoch, Hochjoch und Mittagsjoch umrahmt wird. 100m vom Tunnelausgang entfernt liegt erneut eine urige Jausenstation direkt bei einem kleinen See. Ganz Verwegene springen direkt in den See, weniger Mutige leihen sich dazu einen Neoprenanzug, Gleichgewichtsorientierte rudern mit einem SUP (Stand-Up-Paddleboard) eine Runde und Kraxler wie ich deponieren lediglich ihr Bike 😉 Wer hier entdeckt, dass das Klettersteigset versehentlich daheim geblieben ist, kann eines kostenpflichtig bei der Hütte ausleihen. 

Hochjoch Klettersteig

Über wenige Abstiegsmeter gelangt man zum Schwarzsee, wo der eigentliche Zustieg zum Klettersteig beginnt und steil durch grasiges Gelände führt. Auf 2.190m befindet sich der Anseilpunkt und die Reise durch die Vertikale beginnt. Der Klettersteig ist vorbildlich durchgehend mit einem dicken Stahlseil gesichert und führt abwechslungsreich in die Höhe. Auch EinsteigerInnen sowie kleinere Personen sollten hier vor keine größeren Probleme gestellt werden. Ein C-Quergang stellt die Crux dar, wobei auch hier eher zu viele Zwischensicherungen als zu wenige vorhanden sind. In den schwierigen Felspassagen wurde der Steig durch zahlreiche Trittklammern wesentlich entschärft. Das gefährlichste sind aus meiner Sicht die zahlreichen Graspassagen, die insbesondere im feuchten Zustand ein hohes Risiko darstellen. Daher unbedingt nur bei trockenen Verhältnissen einsteigen und nur im Aufstieg (Abstieg ist grundsätzlich untersagt). 

Schneller als erwartet ist das Highlight, eine 60m Seilbrücke, unterhalb vom Gipfel des Hochjoch erreicht. Die Tiefblicke auf die Seen sind gradios, die Begehung der Brücke selbst macht ebenfalls Spaß und wem alleine bei dem Gedanken an solche Höhen schon graust, der kann problemlos über eine B-Variante ausweichen und dadurch ohne Umweg den Gipfel erreichen. Vom höchsten Etappenpunkt bietet sich dann ein hammer-mäßiges Panorama über Verwall, Silvretta und Rätikon! Sulzfluh und Drei Türme sind zum Greifen nahe und motivieren zu weiteren Touren in der Region. 

Der Abstieg gestaltet sich über den A/B-Steig problemlos und führt zum Kapelljoch (2.469m) wo der Spaß leider endet. Dazwischen gibt es noch einen Notabstieg, aber ob dieser viel sicherer bzw. schneller ist, sei dahingestellt (insb. bei Nässe). Der komplette Klettersteig ist mit 4 Std. Gehzeit angegeben; Erfahrene werden deutlich kürzer unterwegs sein! Von der Bergstation geht’s über die Piste an der Wormser Hütte (2.305m) vorbei (oder doch mit Einkehr?!) und weiter zum Bike-Depot. 

Abfahrt

Für den Rückweg ins Tal bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, wobei ich am ehesten die Auffahrtsroute empfehle! Ich habe mich über diverse Varianten nach unten gekämpft und hatte nur mittelmäßige Freude dabei. Auf Kompass-Karten ist beispielsweise der Weg vom Schwarzsee zum Stausee Kapell (=Umgehung des Skitunnels) als Bike-Trail eingezeichnet – in der Realität ist das sicherlich ein S2/3 Trail, wo Genießer wie ich mehr schieben als fahren. Beim Bergrestaurant Kapell habe ich die Abzweigung nach Norden hinunter zum „Hirscheck“ genommen, die ebenfalls in einen alpinen Steig (blau-weiß) mündet, der aber deutlich mehr Spaß macht als der Trail davor. Beim „Rieder“ lässt sich ebenfalls eine Variante wählen, die auf der Kompass-Karte bike-freundlich eingezeichnet ist – was sie im oberen Teil auch wäre, wenn ich nicht falsch abgebogen wäre 😉 Kurzum: wer’s abenteuerlich mag wird zahlreiche Möglichkeiten finden, wer schnell heim will, möge auf der Forststraße bleiben!

Alternative für Zustieg

Wer’s insgesamt weniger scharf bevorzugt, dem ist der komfortable Zustieg mit der Seilbahn empfohlen. So machen es wohl 90% der Aspiranten schätze ich. Eine sehr lässige Möglichkeit wäre die Auffahrt mit der Bahn, dann den Klettersteig und mit dem Gleitschirm zurück ins Tal. 

 

Eckdaten

Region:   Vorarlberg (AT)
Start/Ziel:    Schruns, 680m
Höchster Punkt:   Hochjoch, 2.520m
Schwierigkeit:   Klettersteig C; MTB Forststraße
Beste Zeit:   Mai-Nov
Hütte(n):   Wormser Hütte
Weitere Infos:   bergsteigen.com

 

GPS

Fazit

Schön, dass Vorarlberg um diese Steiganlage bereichert wurde. Ganz klar handelt es sich um ein touristisch motiviertes Projekt, denn der Zustieg wird den meisten Leuten nur mit der Seilbahn Spaß machen – sofern als Tagestour geplant. Die Kehrseite der Medaille ist, dass dadurch viele Menschen die hochalpine Bergwelt bevölkern.

Die 1.700 Klettermeter des Steiges relativieren sich, denn der versicherte Abstiegsgrat hat den größeren Anteil als der eigentliche Klettersteig.

Panorama und Tiefblicke sind genial – sofern man die Liftanlagen in der unmittelbaren Umgebung ausblendet. Alpinisten werden Herausforderungen woanders suchen – für alle anderen eine absolut empfehlenswerte Tour!

Toll fände ich, wenn zukünftig mehr talnahe Steige erschlossen werden, denn damit bieten sich (FeierabendgeherInnen) mehr Möglichkeiten…

One Comment

  1. David 1. Oktober 2017 at 14:03 - Reply

    Toller Beitrag! Ich finde die Region einfach toll. Bald geht es bei uns auch in den Wanderurlaub in Montafon 🙂

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