Welcher Alpinist kennt dieses Problem nicht: Oftmals (insbesondere hochalpin) gibt es keine Bäche oder anderen Quellen in Hüttennähe und BergsteigerIn ist darauf angewiesen, kostbares Trinkwasser auf Hütten zu kaufen. Das kann insbesondere bei mehrtägigen Aufenthalten zB in der Schweiz wirklich teuer werden. Alternativ kann natürlich das angebotene Nicht-Trinkwasser (meist aus der Regenrinne und/oder Zisterne) mittels Reinigungstablette chemisch gereinigt werden. Das ist kostengünstig und verhältnismäßig mit wenig Aufwand verbunden. Negativ fällt jedoch der unangenehme Chlorgeschmack auf, der sich auch nicht so recht mittels Isostar- oder ähnlichen Pulvern wegbekommen lässt. Wer über einen guten Magen und eine gehörige Portion Risikofreudigkeit verfügt, kann das Wasser natürlich auch ohne Reinigung trinken – auf eigene Gefahr versteht sich.

So weit, so schlecht. Wer gereinigtes Wasser ohne Chlorgeschmack trinken möchte kann alternativ eigentlich nur auf ein Filtersystem setzen. Solche gibt es von diversen Herstellern in unterschiedlichsten Ausführungen und Packmaßen/Gewichtsklassen. Zufällig bin ich vor einigen Monaten über dieses Produkt gestoßen: den „Sawyer MINI Wasserfilter“, der hierzulande auch von Careplus (identes Produkt) verfügbar ist. Die Eckdaten des handlichen Filters sind erstaunlich:

Masse: Ø 5 x 15 cm
Haltbarkeit: 378.540 L garantiert
Lieferumfang:
– Trinkbeutel (etwas klein, aber ok)
– Sawyer 0.10 Micron Hohlfaser Membran Filter
– Reinigungsspritze
– Trinkhalm (habe ich noch nicht gebraucht – wäre zB wenn man direkt aus einer Lacke trinkt…)

Gewicht:
– Gesamtgewicht: 100 g
– Filterelement: 38 g
– Reinigungsspritze: 34 g
– Wasserbeutel: 24 g Trinkhalm: 6 g

Preis: ca. EUR 40,–

Unterm Strich also gut eine Viertel Million Liter Wasser gereinigt mit einem Teil, das in etwa so groß ist wie ein Snickers und inkl. Wasserbeutel nur 60g wiegt – und das noch dazu zu einem Hammerpreis. Wird dieses Teil den Versprechungen gerecht?

Nun, zur Haltbarkeit lässt sich nach rund 3-monatiger, intensiver Nutzung klarerweise wenig sagen. Das Packmass ist 1a, die Bedienung kinderleicht: einfach den mitgelieferten (kleinen) Wasserbeutel mit Wasser füllen, den Sawyer MINI Filter drauf schrauben (alternativ können auch viele „normale“ Plastikflaschen angeschraubt werden), den Verschluss auf der anderen Seite öffnen und direkt daraus trinken. Die Durchflussgeschwindigkeit ist nicht berauschend, aber ok. Das Auffüllen eines 2L Trinkreservoirs benötigt klarerweise etwas mehr Zeit – finde ich aber in Anbetracht des Endresultats ok.

Wer länger als ein Wochenende unterwegs ist sollte die mitgelieferte Reinigungsspritze mitnehmen und den Filter von Zeit zu Zeit reinigen. Das funktioniert ganz einfach: Spritze mit sauberem Wasser füllen, an den Filter halten und „durchspritzen“. Ich mache das immer von beiden Seiten, damit nichts zurück bleibt.

Geschmacklich finde ich das gereinigte Wasser neutral bzw. „unauffällig“. Sofern ein Pulver irgendeiner Art beigemischt wird dann schmeckt der Mix genauso wie mit Wasser daheim aus dem Wasserhahn. Klar ist, dass der Filter das Wasser nur reinigt – ihm jedoch keine Geschmacksnote verabreicht. Soll heißen, dass Wasser aus der Zisterne, das schlecht schmeckt, nach der Behandlung mit dem Filter zwar prinzipiell genießbar ist, aber geschmacklich keinen Oscar erhält. Diesbezüglich verhalten sich jedoch sämtliche angebotenen Filtersysteme gleich!

Fazit: Für mich eines der sinnvollsten Helferlein am Berg bei mehrtägigen Unternehmungen überhaupt. Ich bin sicherlich niemand, der empfindlich reagiert, aber gereinigtes Wasser finde ich absolut essentiell. Lange genug habe ich die „Kein Trinkwasser“ Schilder auf Hütten mit schlechtem Gewissen ignoriert und das Wasser trotzdem getrunken. Meistens – aber nicht immer – ist alles gut gegangen und der Körper hat es vertragen. Hinter vorgehaltener Hand wird oft genug davon gesprochen, dass dieses Wasser sehr wohl getrunken werden kann – die Hüttenwirte aufgrund der strengen Schutzbestimmungen jedoch „verpflichtet“ sind, diese Hinweise anzubringen. Ob das nun so ist oder nicht kann ich nicht beurteilen – und brauche ich v.a. dank des Saywer MINI Filters auch nicht zu tun. Mein Tipp ist, jedes Wasser aus der Leitung (Wasser aus Quellen oder Bechen braucht meistens nicht gereinigt zu werden) mit dem Filter zu reinigen und dann die Hälfte pur zu trinken und die andere Hälfte mit Pulver a la Isostar aufzupeppen. Das hat keine geschmackliche Begründung sondern schlichtweg den Hintergrund, dem Wasser (für körperliche Anstrengungen) wichtige Inhaltsstoffe zuzuführen.

PS: Dieses Teil wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt und hat mich voll überzeugt. Hätte ich es nicht bekommen wäre es mir die 40,– definitiv wert!

By | 2017-07-23T12:31:47+01:00 September 21st, 2014|Categories: Equipment|Tags: |6 Comments

6 Comments

  1. Andreas Knaub 19. Oktober 2014 at 08:17 - Reply

    Ich habe den Sawyer Mini auf einer letzten Tour das erste Mal erlebt. Mich hat das Produkt überzeugt und ich würde den Filter empfehlen. Man schraubt den Filter einfach auf eine Pet-Flasche und kann dann direkt trinken. Die Lebensdauer wird vom Hersteller als quasi „lebenslänglich“ angegeben und die Größe ist für Touren optimal

  2. Leonie 16. September 2016 at 06:40 - Reply

    anmerkung zum sonstigen chlorgeschmack von zb micropur katadyn: antichlorin ;)

    • Mario Kempf 16. September 2016 at 14:30 - Reply

      Servus Leonie,
      ich nehme an, du meinst, dass es beim Sawyer Filter ebenfalls ein Pluspunkt ist, dass dieser EBEN NICHT nach Chlor schmeckt – im Vergleich zu Micropur Tabletten oder ähnlichen Präparaten… :-)

      LG Mario

      • Tobi 24. Februar 2019 at 21:58 - Reply

        Sie meinte, dass es ein Antichlorin-Prodkt von Katadyn gibt, das man nach der Anwendung der Micropur-Tabletten verwenden kann, um den Chlorgeschmack zu beseitigen.

        Alternativ gibt es übrigens auch noch ein Wasseraufbereitungsprodukt namens „Aquamira“. In Deutschland wird (oder wurde? Leider ist es aktuell nirgends auf Lager) es unter dem Namen „McNett Aquaventure“ vertrieben. Das besteht aus zwei Komponenten, die man zusammen mischt und dann ins Wasser gibt. Nach 30 Minuten ist das Wasser trinkbar und es schmeckt bei diesem Verfahren grundsätzlich nicht nach Chlor, sondern völlig neutral. Das nur noch als ergänzender Hinweis, dass man auch chemisch das Wasser geschmacksneutral aufbereiten kann. ;)

        • Mario Kempf 25. Februar 2019 at 07:32 - Reply

          Hallo Tobi,
          das von dir genannte Produkte kannte ich nicht und klingt definitiv interessant! Werde ich mir mal ansehen, denn die Geschichte mit dem Filter ist bei größeren Flüssigkeitsmengen schon recht aufwändig…
          Danke für den Tipp!
          Liebe Grüße,
          Mario

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